GREEN ROOM (Filmbesprechung)

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Deutscher Kinostart: 02.06.2016
Originaltitel: Green Room
Produktionsland: USA 2015
Laufzeit: 95 Minuten
Freigabe: Ab 18 Jahre
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Darsteller: Imogen Poots, Sir Patrick Stewart, Alia Shawkat, Anton Yelchin, Mark Webber, Eric Edelstein, Joe Cole, Macon Blair, Callum Turner, Kai Lennox, David W. Thompson, October Moore u.a.

HANDLUNG
Ein absolutes Worst-Case- Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain’t Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und- Maus-Spiel ein Ende zu bereiten…

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MEINUNG
Man kann sich sicher sein, GREEN ROOM ist wortwörtlich ein schmerzhafter Film, wie ein wuchtiger Tritt  in die Fresse mit blank polierten Springerstiefeln!

Ich muss zugeben, ich war anfänglich ja schon etwas arg skeptisch, wieder ein Film mit subkulturellen Bestandteil in der Handlung, die mit der Realität nicht wirklich viel gemeinsam haben. Solche Werke kennen wir ja nun zu genüge. Einige, wenige Werke taugen was, wie beispielsweise ROMPER STOMPER oder MADE IN BRITAIN. Andere hingegen, wie zum Beispiel DIE KRIEGERIN oder INSIDE A SKINHEAD, sind totaler Schrott. Entsprechend vorsichtig geht man dann auch an einen Film wie GREEN ROOM ran, trotz eines großartigen Cast…

Irgendwo in einem Maisfeld, nahe eines Highways, steht der Van der Punk-Band The Ain´t Rights, die gerade eine Tour fahren. Knapp bei Kasse, steuert man den nächsten Gig an um etwas Kohle einzufahren. Dies geht allerdings gründlich schief, da sich der Veranstalter als Nullnummer entpuppt und das Konzert abgesagt wurde. Keine Kohle in der Tasche, nur noch wenig Sprit im Tank, der Tour droht das vorzeitige Ende. In letzter Minute macht der verplante Punk doch noch einen Gig für The Ain´t Rights klar, soweit, sogut… einzig die Tatsache, dass, das Publik fast ausschließlich aus Nazi-Skinheads besteht, hinterlässt ein etwas drückendes Gefühl in der Magengegend. Dennoch, man nimmt den Gig an. Vorort lässt die Begrüßung zu wünschen übrig und auf der Bühne heißt es nun; Zähne zusammenbeißen. Zu Erstaunen aller, bringen The Ain´t Rights ihren Auftritt einwandfrei über die Bühne, trotz fliegender Flaschen und ein lebensmüden Nummer von den Dead Kennedys. Jetzt schnell vom Acker machen, bevor es noch auf die Mütze gibt. Noch schnell das Handy aus dem Aufenthaltsraum holen und dann ab vom Hof. Allerdings liegt da nun ein totes Skingirl im Raum, dies war vorher nicht da und hinten der Band verschließt sich auf einmal die Tür. Auf schmerzliche Weise werden The Ain´t Rights nun erfahren, wie man vor Ort mit unliebsamen Problemen umgeht!

So, die Rahmenhandlung haben wir durch, nun stellt sich allerdings die Frage: „Soll man den Film weiter verfolgen?“ Ganz klar, auf jeden Fall. GREEN ROOM ist nämlich alles andere, als ein weiterer, langweiliger und belangloser Film, den man in die Schublade „böse Skinheads vs. gute Punks“ stecken kann. Nein, Regisseur Jeremy Saulnier geht weiter, steigt über das Schubladendenken hinweg und schuf somit einen genialen, radikalen und bedrückenden Survival-Thriller, der ab jenen Schlüsselmoment packt und bis zur letzten Minute nicht mehr los lässt. Regisseur Jeremy Saulnier hat es nicht nur geschafft, einen großartigen Thriller voller Spannung zu gestalten, er hat sich auch ausgiebig mit den beiden Subkulturen beschäftigt. Dies hat zur Folge, das die Grenzen hier schwinden und man anfängt zwischen den Protagonisten eben Sympathien, Abneigungen und Mitleid zu entwickeln, wo man selbst nicht dran geglaubt hat. So haben wir auf der einen Seite der Tür, die Punk-Band The Ain´t Rights, die gemeinsam mit Amber, Freundin des toten Skingirls, ums Überleben kämpfen und auf der anderen Seite die radikalisierten Nazi-Skinsheads. Ja und mit Amber haben wir dann auch schon die erste Meisterleistung in GREEN ROOM zu vermelden. Hingebungsvoll und authentisch gespielt von der bezaubernden Imogen Poots, wuchs mir Amber sofort ans Herz, wenngleich man auch bis zu Ende nicht weiß, auf welcher Seite das Reneegirl nun steht. Auf der anderen Seite macht sich einer der wohl besten, britischen Schauspieler der Gegenwart bereit, mich gleichermaßen zu begeistern wie auch bis zu Ende, zu schockieren… Sir Patrick Stewart marschiert als Führer der Nazi-Skinheads auf und verbreitet eine finster Authorität und Überlegenheit, da läuft es einen kalt den Rücken runter. Die schauspielerische Leistung von Sir Patrick Stewart übersteigt hier seine vorherigen Leistungen noch einmal, zeigt diese Rolle doch erst recht, was Stewart doch für ein grandioser Schauspieler ist. Es beginnt ein schonungsloser und kaltblütiger Kampf ums Überleben und eine eiskalte Hetzjagd die ist in schonungloser Brutalität gipfelt, auf beider Seiten. Dies ist dann auch wieder der besagte Punkt wo sich die Gemüter überschlagen, man fängt an Sympathie für jene zu erzeugen, denen man eigentlich nur mit Antipathie gegenübersteht und man erzeugt eine Abneidung gegen die, die eigentlich Mitgefühl verdienen. Nicht weil man unmenschlich ist, sondern weil man zur Erkenntnis kommt; die haben sich durch gewissen Handlungen selbst in diese Lage gebracht.

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GREEN ROOM ist ein mieser „Mindfuck“ und spielt mit den Zuschauern, es wird einem so einiges abverlangt und man wird konfrontiert mit Sichtweisen, die man eigentlich abstoßend findet und nicht sehen und erleben möchte. GREEN ROOM lebt von seiner spürbaren Panik, Ungewissheit und Ausweg- wie auch Hilflosigkeit. Angst macht sich breit, diese Angst versteht Saulnier wunderbar in Bilder zu verpacken und lässt seinen Film zu ein ungemein dramatisches Erlebnis werden. Das GREEN ROOM in diesem Überlebenskampf nicht an Brutalität geizt, wird einem schnell klar und mit weiteren Verlauf der Geschichte fragt man sich wahrlich, wie weit die Protagonisten noch gehen werden…

GREEN ROOM ist ein blutiger Schlagabtausch, ein radikaler Überlebenskampf zweier (Sub)Kulturen die sich nichts schenken und keine Grenzen kennen. Jeremy Saulnier schuf nicht nur einen gelungenen, authentischen und spannenden Survival-Thriller, er schuf gleichzeitig auch noch ein neues Bild von Patrick Stewart als radikaler Bösewicht, der erschreckend real wirkt und durch diesen Umstand so überzeugend ist. Gleiches gilt für Imogen Poots und Anton Yelchin (neben den anderen), die ums Überleben kämpfen und sich dabei so verändern, dass es einem nicht klar ist, ob es nun zum guten oder zum schlechten geschieht? GREEN ROOM ist eine wahre Überraschung, lange hat mich ein Film nicht mehr so gepackt wie in diesem Fall. Grenzübergreifend, schockierend und beeindruckend!

Updated: 23. Mai 2016 — 20:21

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